Dienstag, 2. März 2010

Denkwürdiger Tag

Heute vor einem Jahr habe ich abgestillt.

Jede Mutter würde nun aufhorchen und sagen: "Moment mal, man stillt doch nicht an einem Tag ab, sondern über Wochen oder gar Monate...!"

Naja. Ich hab's trotzdem getan. Musste. Es war nötig, unumgänglich, sozusagen unter Zwang - und es war das einzig Richtige. Dieser Tag war wirklich seltsam für mich. Nachdem ich mit Philip von der Kinderpsychologin kam und ihn im Auto installiert hatte, habe ich mich hinters Lenkrad gesetzt und dort auf dem Parkplatz erstmal eine Viertelstunde geweint. Dann bin ich über Umwege nach Hause gefahren. Mir war klar, dass ich das durchziehen muss, deswegen sagte ich mir während der Fahrt immer Yodas Spruch vor: "Do or do not. There is no try." Das hat mir geholfen.

Zuhause dann habe ich angefangen, meine Stillklamotten, -BHs und den Zubehör (Milchpumpe, Fläschchen, Stilleinlagen, etc.) auszusortieren und wegzupacken und habe zwischendurch eine ganze DIN A4-Seite gefüllt mit Dingen, die mir durch den Kopf gehen. Ich habe mich nämlich ganz, ganz seltsam gefühlt. Zum einen unheimlich befreit, und zum anderen habe ich einen immensen Verlust empfunden, als würde ich nämlich meinen Sohn nie wiedersehen, als wäre die Zeit mit ihm auf einmal vorbei. Das war komisch. Aber daran mache ich fest, wie eng unsere Beziehung durch das Stillen war (und in derselben Woche habe ich schmerzhaft festgestellt, dass diese sehr enge Beziehung sich ausschließlich auf das Stillen beschränkt hatte).

Es war seltsam. Ich habe so viel geweint in dieser Woche. Wir haben beide gemeinsam geweint, Philip und ich. Mir kommen jetzt noch die Tränen, wenn ich daran denke. Das war die härteste Woche meines Lebens, und mich tröstet nur, dass es für mich schlimmer war als für ihn, und dass es das Richtige war.

Aber ich denke eigentlich nicht an diese erste Märzwoche 2009, denn das ist zu schmerzhaft, auch wenn diese Woche auch gut war, weil sie einen wichtigen Umbruch provozierte: Nach allem, was im vergangenen Jahr passiert ist, geht es mir heute besser als je zuvor. Ich denke heute also nur an diesen Tag vor 365 Tagen, an dem ich abstillte. Von einer Stunde auf die nächste, sozusagen. Heute vor einem Jahr war das, als ich all diese Klamotten weggepackt habe und wusste, dass eine Phase meines Lebens zuende geht und eine neue anfängt. Heute vor einem Jahr habe ich diese DIN A4-Seite mit Dingen gefüllt, die ich immer noch sehr interessant finde, aber die mich auch immer noch traurig machen.

Trotzdem: Es war eine gute Entscheidung, die ich an diesem Tag gefällt habe. Sie war richtig.

Und jetzt ist mein Sohn ein kleines Persönchen mit vielen Haaren, vielen Gehirnzellen, viel Unsinn im hübschen Kopf, viel Energie, vielen Zähnchen (wenn auch nicht allen), viel Fröhlichkeit und vielen neuen Worten am Tag. Er ist so wunderbar. Und wir haben eine Nähe aufgebaut, die an die Nähe durch das Stillen nicht herankommt - aber sie ist im Gegensatz zu der Nähe durch das Stillen nicht unmittelbar hormonell bedingt. Nun, natürlich ist sie das, aber... anders. Sie ist... freiwilliger. Und sie ist auch nicht, wie es bei mir leider der Fall war, auf die Dauer der Stillmahlzeiten und kurz danach beschränkt. Wenn mein Sohn jetzt den Kopf auf meine Schulter legt, weil er mir zeigen will, dass er sich bei mir wohl und geborgen fühlt, oder wenn er mich spontan umarmt, oder wenn er mir einen Kuss auf die Nase gibt und mich verliebt anschaut... dann reicht mir das. Es ist mehr als genug.

Heute ist ein guter Tag.

Kommentare:

Maufeline hat gesagt…

ich freu mich so für dich, und jetzt kommen mir auch die tränen. aber nur vor freude!
du hast es echt verdient, dass es dir endlich gut geht!
fühl dich mal ganz feste gedrückt!!
(und am donnerstag (voraussichtlich ;-) ) in echt ;-) )

Kerstin hat gesagt…

Danke, Du Liebe! :)

Ich hoffe sehr, das klappt morgen. Philip hat seinen Appetit über Nacht wiedergefunden! Das sagt glaube ich am meisten aus. ;)

Dieter hat gesagt…

Es freut mich ungemein das es dir gut geht. Das hab ich dir immer von ganzem Herzen gewünscht.

Und natürlich ist heute bzw. war gestern ein guter Tag, aber das hat wohl nichts mit diesem Blogeintrag zu tun hihi