Montag, 7. Juli 2008

Reflektionen eines altmodischen Menschen

Wenn ich mir so meinen Mann betrachte, wie er mit unserem Sohn auf dem Arm durch die Wohnung tigert, damit das Kind in den Schlaf findet, dann frage ich mich, was dieser unser Sohn wohl in fünfzehn Jahren sagen wird, wenn wir ihm ein Foto davon zeigen, wie sein Vater mit ihm auf dem Arm durch die Wohnung tigert...

"Wah, Papa, wie altmodisch du da aussiehst! Hat man das wirklich früher getragen?"

(Zur Erläuterung: Mein Mann trägt gern T-Shirts oder Hemden, also zeitlose Klassiker, aber hier geht's mir ums Prinzip.)

Ich denke mir, dass die Reaktion meines jetzt noch dreimonatigen Sohnes so ausfallen wird, weil meine Reaktion ähnlich ausfiel, als ich Babyfotos von mir gesehen haben. Es war Ende der Siebziger, als ich in den Schlaf geschaukelt werden musste, und ich wage zu behaupten, dass meine Reaktion berechtigt war.

Aber wir leben heute in einer anderen Zeit, scheint mir. Die Mode - und ich rede hier wirklich nur von der Kleidermode; ob meine Theorie auch auf andere Bereiche des Lebens zutrifft, mag Gegenstand einer späteren Diskussion sein, oder auch nicht - verändert sich nicht mehr wirklich. Es wird kaum Neues erfunden, stattdessen werden alte Stile wieder aufgewärmt, zusammen in einen Topf geschmissen, mit dem Löffel der Kreativität einmal gut durchgerührt, durch das Sieb der unverzeihlichen modischen Fehltritte gegossen (ein grobmaschiges Sieb ist das), und was dann übrigbleibt wird frisch und bunt auf den Laufstegen serviert. Und das ist dann modern.

Halt, nein! Böses Wort. Ich habe mich immer für einen modernen Menschen gehalten und muss zugeben, dass mir vor kurzem erst bewusst wurde, dass wir uns in der Postmoderne befinden. Das heißt, modern ist vorbei, und ich bin altmodisch. Aber wenn wir uns in der Postmoderne befinden, dann passt das mit der Mode auch wieder, denn "In der Postmoderne steht nicht die Innovation im Mittelpunkt des (künstlerischen) Interesses, sondern eine Rekombination oder neue Anwendung vorhandener Ideen." (Zitat: Wikipedia)

Aha. Wieder was gelernt. Dann ist das, was ich an der derzeitigen Mode bemängele, also an sich legitim. Und ich ein Banause. Und ignorant. Und so.

Immerhin wird mein Sohn in fünfzehn Jahren sagen können: "Das hast du damals getragen, Papa? Sowas trag ich ja auch"...

1 Kommentar:

krustyDC hat gesagt…

"Das trage ich auch"...lol
Aber ich glaubs nicht.
Diese furchtbaren jungen Leute finden doch immer wieder einen Weg sich abzugrenzen und uns alt aussehen zu lassen ;-)