Freitag, 20. Juni 2008

schwerhörig

voller getöse
weckt dich des morgens das leben
ein baum vor dem fenster
fühlt sich allein
und du bist ganz klein

emsig wie bienen
muss man arbeiten
so ist das eben
nie genug zeit im leben
schlafen kann man doch
wenn man tot ist

die welt rauscht vorbei
im stetigen donner der tage
du bist schon ganz taub
braunrotgelb ist das laub
auf dem einsamen baum
was, schon wieder herbst?

und dann
ein tag am meer
still und leise
auf wunderbare weise
siehst du farben
steine sand wasser
der mond wird blasser
wenn die sonne aufgeht
alles so ruhig
nichts kannst du hören
du fragst dich, warum
nicht einmal die stille
erst das donnern dringt zu dir durch
über den dünen
hinter dir
denn ein sturm kommt auf

und du nickst zufrieden
lehnst dich zurück
ein glück:
du dachtest schon
du hättest was mit den ohren

© Kerstin Feuersänger 2006

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